Rede von Dr. Ronald Begemann zum Grundsatzbeschluss der Soltau Therme
Beschlussfassung über die Sanierung der Soltau Therme
Ratssitzung am 8. September 2026
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Frau Ratsvorsitzende,
sehr geehrte Damen und Herren,
wir haben heute eine Entscheidung von großer wirtschaftlicher Tragweite zu treffen, die über viele Jahre großen Einfluss auf die Entwicklung der Stadt haben wird. Nicht ohne Grund hat der heutige Beschlussvorschlag zur Sanierung der Therme bereits im Vorfeld ein breites mediales Echo erfahren.
Und wie nicht anders zu erwarten, überwiegen die kritischen Stimmen, die Schlimmes befürchten. Neben den schon bekannten Argumenten, die Sanierung der Therme sei sowieso nicht zu bezahlen und werde das vorgesehene Kostenlimit locker reißen, gab es heute eine Art Brandbrief, in dem ein bedauerlicher Fliesenschaden im Hallenbad aus dem Jahr 2018 mit dem Bau der Therme gut 30 Jahre vorher in einen Topf geworfen wird. Und überhaupt wird dem Rat pauschal pure Ahnungslosigkeit unterstellt.
Diese Kritik liegt bei allem Verständnis für die journalistische Lust an Übertreibung und Zuspitzung allerdings so richtig neben der Sache. Sie tut so, als ob Verwaltung und Rat mal eben auf die Schnelle die Sanierung der Soltau Therme für die bescheidene Summe von 25 Mio. € ( plus x) auf den Weg bringen wollten. Dass diese Annahme grob falsch ist, erweist bereits ein Blick in den Projektbericht der Stadtwerke, den Sie mit der Beschlussvorlage erhalten haben. Darüber hinaus bedarf es schon reger Phantasie, um einen Zusammenhang zwischen einem Fliesenschaden im Hallenbad 2018 und dem Bau der Therme 30 Jahre vorher auszumachen.
Zurück zum Thema:
- Richtig ist, dass Geschäftsführung und Aufsichtsrat der Stadtwerke bereits im Jahre 2021 zusammen mit dem Architektenbüro dan pearlman in mehreren ganztägigen workshops einen Masterplan für die Sanierung der Soltau Therme entwickelt haben. Dass dieser nicht früher hat umgesetzt werden können, liegt daran, dass auf Seiten der swb AG keinerlei Bereitschaft, in die Zukunft der Therme zu investieren, vorhanden war, was für die Trennung 2023 nicht ohne Relevanz gewesen ist. Das Projekt Thermesanierung musste jedenfalls für knapp zwei Jahre auf Eis gelegt werden.
In der zweiten Jahreshälfte 2023 ist die Planung der Thermesanierung von der Geschäftsführung der Stadtwerke wieder aufgenommen und zu einem Sanierungsfahrplan weiterentwickelt worden.
Von einem Schnellschuss kurz vor den Kommunalwahlen kann also keine Rede sein. Vielmehr liegen jetzt die Grundlagen vor, auf denen dieser Rat eine verantwortliche Entscheidung darüber treffen kann, das Projekt Thermesanierung fortzuführen.
Dabei geht es heute „nur“ um einen Grundsatzbeschluss. Soll die Therme saniert und für die kommenden Jahre und Jahrzehnte erhalten bleiben oder soll sie immer weiter an Attraktivität verlieren und letztlich bis zum technischen Ausfall einen Tod auf Raten erleiden? Letzteres wäre nämlich die unmittelbare Konsequenz eines negativen Votums.
Hingegen bedeutet eine positive Entscheidung zunächst nicht mehr – allerdings auch nicht weniger -, als dass die Planungen nun vorangetrieben und insbesondere ein Architekturkonzept in Auftrag gegeben werden soll. Erst auf dessen Grundlage ist ein belastbare Kostenschätzung möglich, und erst dann kann die finale Entscheidung über die Thermesanierung erfolgen. Und erst nach dieser finalen Entscheidung können die Gewerke – europaweit – ausgeschrieben und Angebote eingeholt und Unternehmen beauftragt werden.
- Das Thema Thermesanierung hat uns im Rat und im Lenkungsausschuss, den wir zur Vorbereitung der heutigen Entscheidung gebildet haben, intensiv beschäftigt. Dabei wurde natürlich gefragt: Können wir uns das wirklich leisten? Diese Frage ist einerseits allzu berechtigt, greift andererseits aber zu kurz. Denn ebenso drängend ist die Gegenfrage: Können wir es uns leisten, die Therme nicht zu sanieren?
Die erste Frage, ob wir uns die Sanierung der Therme leisten können, können wir derzeit nicht final beantworten. Zunächst brauchen wir, wie gesagt, eine durch ein Architekturkonzept abgesicherte umfassende Kostenschätzung, aus der die Kosten für die Finanzierung des Vorhabens abgeleitet werden. Dagegen gehen die zu erwartenden Einnahmen nach erfolgreicher Sanierung. Zu klären sein wird in diesem Zusammenhang auch die Realisierbarkeit der angestrebten Hotellösung. Angesichts des derzeitigen energetischen Zustandes der Therme ist eine Reduzierung der laufenden Kosten einzupreisen. Erst wenn diese offenen Punkte – und andere mehr – geklärt sind, kann die Frage, ob wir uns die Sanierung der Therme leisten können, beantwortet werden.
Beantworten müssen wir aber auch die zweite Frage, ob wir es uns leisten können, auf die Therme zukünftig zu verzichten. Auch diese Frage kann heute nicht abschließend beantwortet werden. Nach meiner Überzeugung sprechen jedoch gewichtige Gründe dagegen, die Therme aufzugeben:
Die Therme ist nicht irgendein Freibad, das zu schließen man keine Hemmungen haben müsse.
Nein, meine sehr geehrten Damen und Herren, die Soltau Therme ist nach einem holprigen Start zu einem – wenn nicht zu dem – Leuchtturm für Soltau geworden. Soltau ist überregional bekannt für den Heidepark und die Therme! Den Gedanken, dass die Therme für Soltau ein Wahrzeichen ist wie die Elbphilharmonie für Hamburg, halte ich nicht für abwegig.
Die Therme ein wichtiger und etablierter Anker für den Tourismus in Soltau. Das Siegel staatlich anerkannter Ort mit Sole-Kurbetrieb ist von der Therme abhängig. Nicht ohne Grund hat der Fremdenverkehrsverein bei seiner letzten Hauptversammlung klargestellt, dass ein Verzicht auf die Therme nicht in Frage kommen dürfe und mit massiven wirtschaftlichen Nachteilen verbunden wäre.
Und last but not least beschäftigt die Soltau Therme über 100 Mitarbeitende.
- Die heutige Beschlussvorlage weist zurecht einen Finanzierungsvorbehalt auf. So wichtig die Therme auch für Soltau ist, so darf ihre Sanierung doch nicht dazu führen, dass sich die Stadt und die Stadtwerke bei dem Projekt übernehmen und die Stadtwerke ein zweites Mal nach 1990 in eine gefährliche wirtschaftliche Schieflage geraten, die sie nur mit Glück und mit viel teurem Geld aus Bremen überstehen konnten.
Ich möchte an dieser Stelle nicht auf Fehler der Vergangenheit zu sprechen kommen. Nur eines kann ich an dieser Stelle versichern: Die Kosten für die Sanierung der Therme werden diesmal realistisch und belastbar ermittelt werden. Eine – dazu noch unkontrollierte – Kostenexplosion wie vor mehr als 35 Jahren wird es mit der heutigen Geschäftsleitung und dem heutigen Aufsichtsrat nicht geben, dessen dürfen Sie sicher sein. Denn welche weitreichende Rechte, aber auch Pflichten ein Aufsichtsrat hat, weiß bei den Stadtwerken heute jedes Aufsichtsratsmitglied.
Keinesfalls verlängern dürfen wir allerdings den status quo. Die Therme produziert jährlich ein stabiles Defizit in einer Größenordnung von 3 Mio. €. Das kann nur hingenommen werden, wenn die konkrete Aussicht auf Besserung, sprich auf Sanierung, besteht. Sollte der heutige Beschlussvorschlag keine Mehrheit finden, gibt es bestenfalls einen Tod der Therme auf Raten, die immer weniger Besucher anziehen und immer höhere Defizite verursachen wird.
Hingegen wird eine moderne Therme mit attraktivem Angebot für die zukünftige Entwicklung von Soltau von großer Bedeutung sein. Die CDU-Fraktion wird daher dem Beschlussvorschlag zustimmen, und ich bitte Sie, das ebenfalls zu tun.